Wie ich zum Theater kam
Als ich an die Schauspielschule kam, war ich mehr als grün hinter den Ohren. Ich war zwar ab und zu bei einer Theatergruppe dabei, aber was genau alles dazugehört ein Schauspieler zu sein, wusste ich bis dato noch nicht. Bevor ich an der Theaterfachschule anfing, musste ich mich einem Vorsprechen unterziehen. Ich versuchte mich so gut es ging vorzubereiten und war ein reines Nervenbündel.
Bei der Aufnahmeprüfung sprach ich ein Gedicht von Rilke vor. Ich musste es danach in verschiedenen Gemütsregungen vortragen und im Anschluss noch ein paar Oktaven auf und ab singen. Wie ich mich gemacht habe, erfuhr ich nicht und ich wusste auch selbst nicht, wie ich mich geschlagen habe. Obwohl ich mein Bestes gegeben hatte, waren bestimmt Leute mit mehr Erfahrung da und dieser Gedanke hing mir stets im Kopf. Als alle Kandidaten durch waren, ging es in den Ballettsaal. Der Intendant machte einige Ballettschritte vor und wir mussten sie nachmachen. Alles in allem war das gar nicht so schwer, auch wenn ich vielleicht nicht wie Anna Pawlowa aussah, sondern eher wie “Der Plumssack geht um”. Ich konnte dennoch den Schritten folgen und habe viele andere gesehen, die orientierungslos sämtliche Gliedmaßen verknoteten oder aufgaben. So war das also mit dem Vorsprechen.
Die nächsten Tage wartete ich auf Antwort und versuchte mich abzulenken. Ich überlegte mir einen Plan B, falls ich nicht angenommen werde, damit ich nicht in ein allzugroßes Loch fallen würde, falls es so ist. Dann kam ein riesengroßer Umschlag. Das kann kein gutes Zeichen sein, dachte ich mir. Bestimmt sind das meine Bewerbungsunterlagen. Meine Mom schaute auch schon ganz mitleidig, aber um mich nicht weiter zu quälen, öffnete ich den Umschlag ganz schnell. Ich kann euch nicht mit Worten beschreiben, was ich in diesem Moment fühlte, als ich las, dass ich genommen wurde. Heureka! Endlich hatte ich in meinem Leben ein Ziel und ich wusste, dass ich alles dafür tun werde, um es zu erreichen. Und das tat ich dann auch.

VEB wortfeile
says:
ich hätte nie ein wort auf der bühne rausgebracht und wäre schon daran gescheitert
. arbeitest du auch als schauspielerin im engeren oder weiteren sinne?
[Antwort]
Nissa
says:
Hallo Wortfeile,
Bist du nicht auch Journalist, oder sowas?
ich habe nach meiner Ausbildung ein Jahr als Schauspieler gearbeitet. Danach habe ich aufgehört, weil ich zwar überall arbeiten durfte, aber nirgendwo bezahlt wurde. Außerdem wuchsen meine Selbstzweifel und egal wieviele Menschen applaudierten, ich war nie zufrieden mit meiner Arbeit, was mir irgendwann ziemlich zugesetzt hat. Ich habe aber vor Germanistik zu studieren und das, was ich auf der Bühne über Sprache und Ausdruck gelernt habe, in eigenen Texten umzusetzen. Mal schauen
Liebe Grüße,
Nissa
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Gudrun
says:
Chassee, Attituede und Plie wären nicht so ganz mein Ding gewesen, liebe Nissa. Ich bin wohl da eher der Plumssack.
Liebe Grüße an dich, die Gudrun
Und: Ich würde dich gerne mal wieder spielen sehen.
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VEB wortfeile
says:
ich bin ausgebildete redakteurin (mit einem 2jähirgen volontariat). journalist kann sich ja jeder nennen, der zwei artikel in zeitungen veröffentlicht hat – es ist keine geschützte berufsbezeichnung. ich habe nicht germanistik studiert, sondern theaterwissenschaft. wenn ich noch mal wählen könnte, würde ich vermutlich mediengestalter in weimar studieren wollen oder aber kulturwissenschaft. das ist beides näher am leben und nicht so pupstrocken
.
[Antwort]
Nissa
says:
Hallo Gudrun,
ja, Ballett war wohl auch nicht mein Steckenpferd. Aber man boxt sich durch und wenn man viel übt ist es ein dankbarer Sport. Und was ich immer interessant fand: Wenn ich einen schlechten Tag hatte und innerlich zugemauert war, bekam ich mein Bein keine 30 cm hoch. Wenn es mir gut ging, dann klappten auch schwierige Kombinationen. Alles Kopfsache, wie immer
Liebe Grüße,
Nissa
[Antwort]
Nissa
says:
@ Wortfeile: ja, mit den Journalisten ist es wie mit den Schauspielern: “das kann ja jeder”
[Antwort]
Emily
says:
*räusper* na ja… nicht unbedingt
[Antwort]
J4N
says:
Oh ja deine Auftritte haben mir immer sehr gut gefallen.
Erst durch dich konnte ich mich für Theater begeistern.
Ich weiß noch, dass der “Weiße Fächer” das erste Stück war, was mir wirklich gut gefallen hat.
Ich habe auch einen Job den “Jeder” meint zu können.
“Ein bissl Layout, Typografie vielleicht noch Fotografieren und Photoshop? … kein Ding das macht mein Kumpel, der hat auch nen Computer.”
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Nissa
says:
@ Emily
Ist doch nix dabei: ein bisschen schreiben, ein bisschen reden… möpmöp
[Antwort]
Nissa
says:
Hallo Jan,
danke dir. Der Fächer auch war auch eines meiner Lieblingsstücke.
Naja, das komische ist halt, dass man in Deutschland für jeden Pupsjob einen Schein braucht, aber die kreativen Berufe kann jeder machen. Als wäre das was Minderwertiges, was man nicht lernen muss. Sicherlich gibt es Nturtalente und Superhirne, aber die sind ja eher selten. Naja, kann man nix machen.
Liebe Grüße und einen gemütichen Abend wünscht,
Nissa
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Gudrun
says:
Liebe Nissa, so ist das nicht, dass in kreativen Berufen jeder machen kann, was er will. Man braucht immer einen Schein, auch da. Es fragt in diesem Land niemand, was man tatsächlich kann, und so denke ich eben immer noch über Auswandern nach. (Obwohl ich schon , sagen wir mal, nicht mehr die Jüngste bin.)
Liebe Grüße, die Gudrun
[Antwort]
Nissa
says:
Hallo Gudrun,
naja, ich habe es selbst erlebt als Schauspieler. Sicherlich, die großen Theater nehmen meist nur ausgebildete Darsteller, aber an den kleinen ist das nicht die Regel und wenn man mit der Ausbildung fertig ist, sucht man sich erstmal die kleineren. Da ist es natürlich doof, wenn ein Mädchen ohne Ausbildung, schlechter Aussprache und ohne Handwerkszeug, aber dafür mit schönen blonden Haaren und großen Hupen die Rolle eher bekommt als jemand der gut spielt. Da würde mir jetzt auch Auswandern nichts bringen, denn dieses Phänomen findet man überall. Vielleicht würde eine Brust OP helfen, aber…neeeee!
[Antwort]
minibar
says:
Als ich vor 16 Jahren zum erstenmal meinen Kassenbericht dem versammelten Kirchenchor vortragen musste, habe ich zu Hause laut geübt. Immer wieder.
Und als es dann soweit war, pochte das Herz bis zum Hals. Es hat einigermaßen geklappt.
Mit den Jahren wurde es immer leichter und auch lockerer, ich streute dann lustige Bemerkungen ein, so dass es eigentlich immer ganz gut ankam.
16 Jahre lang habe ich diesen ehrenamtlichen Job ausgeübt.
Aber vor Fremden auftreten, neee das könnte ich nicht.
Dir gilt meine Hochachtung!
[Antwort]
Nissa
says:
Siehst du, bei mir ist es genau andersrum. Ich kann auf die Bühne gehen und mich hinter meiner Rolle verstecken, mal übertrieben ausgedrückt, aber wenn ich in der Schule einen Vortrag halten muss, rinnt mir der Schweiß den Nacken hinab und ich kann nur noch stottern. Daher geb ich die Hochachtung zurück
[Antwort]
minibar
Antwort vom November 7th, 2010 13:21:
Oh, danke
[Antwort]