Wie die Birnen in die Palme kamen
Letztens dachte ich so über meine ‘alte’ WG nach und da fiel mir eine Geschichte ein, die ich wohl nie vergessen werde.
Auf meinem iPhone gibt es ein Programm, das heißt Photoswap. Man macht ein Bild und sendet es ab, dann sucht das Programm per Zufall einen anderen Benutzer, der auch gerade ein Bild losgeschickt hat. So tauschen zwei völlig fremde Personen ihre Bilder aus. Da man keinen Account hat und auch durch keine Suchfunktion gefunden werden kann, bleibt man zwangsläufig anonym. Man kann auf Bilder, die man bekommt antworten, tut man das aber nicht sofort findet man den anderen nie wieder.
So viel dazu. Es trug sich nun zu, dass ich unter dutzenden Fuß- und Fusselbildern mal ein interessantes Bild zugeschickt bekam. Es war ein Kuscheltier, welches mit der Fernbedienung vorm Fernseher saß.
Ich fand das lustig, suchte auch ein Kuscheltier und drapierte es mit einem Kochlöffel vor den Kochtopf. Einige male ging das mit meinem Fotopartner noch hin und her bis mir allmählich die Ideen ausgingen und so ging ich ins Bad um einen neuen Ort für mein Kuscheltier zu finden. Da ergab es sich, dass dort eine kleine Palme stand und ich die Idee hatte, dass ich die alten Birnen in die Palme legen könnte und das Kuscheltier von unten an der Palme rüttelt. Um das Bild aufzupeppen stellte ich Eier in Klopapierrollen. Nun ja, was soll ich sagen, es war auch schon ziemlich spät und nach dem Foto war ich so müde, dass ich nur noch ins Bett wollte. Als ich mich bettfertig machte, hatte ich das Gefühl ich hätte was vergessen, ignorierte dieses Gefühl aber sofort.
So. Ich schlief also den Schlaf der Gerechten und am nächsten Tag bin ich brav auf arbeit gegangen. Und dann…bekam ich eine SMS von meiner Mitbewohnerin:
“Hallo Kleines, im Bad liegen alte Birnen auf der Palme, da sind schon Fliegen drauf, hab sie mal weggeworfen.”
Oha, ich wusste, da war noch was. An der Art der Formulierung ahnte ich, dass sie sich nicht sicher war, ob ich nicht tatsächlich und ernsthaft versucht habe zu dekorieren. Leider war ich zum Zeitpunkt der SMS bei einer Besprechung, ich konnte also nicht antworten. Vielleicht war es die Angst, dass sie auch die Eier in den Klopapierrollen finden würde, vielleicht war es auch die Anstrengung ein lautes Auflachen zu unterdrücken, Fakt war, dass mir der Schweiß den Rücken runterrann.
Es war nähmlich auch so, dass wir noch nicht lange zusammenwohnten und ich ihr nicht das Gefühl geben wollte, dass die Wohnung bald völlig mit alten Nahrungsmitteln dekoriert sein würde. Zwar kannten wir uns schon recht lange, aber da ich manchmal etwas sorglos mit meinen Gehirnwindungen umgehe und auch ein wenig schusselig bin, kam es schon so manches mal vor, dass ich als etwas verwirrt eingestuft wurde, allerdings auf eine liebevolle Art und Weise.
Es kam mir ewig vor, aber die Besprechung war irgendwann vorbei. Ich hätte hinterher kein einziges Thema wiedergeben können, denn meine Gedanken waren bei Eiern und Birnen verblieben. Natürlich griff ich sofort zum Telefon und rief meine Mitbewohnerin an. Ich erklärte ihr die ganze Sache und sie war sehr erleichtert, denn wie ich schon richtig geahnt hatte, zweifelte sie an meiner geistigen Gesundheit. Und dabei hatte sie die Eier noch nicht mal entdeckt…


minibar
says:
Was man nicht alles für wildfremde Menschen tut.
Es muss ja jedesmal mehr sein, anders sein, peppiger sein
Hätteste mal Ruhe gegeben, hättte es womöglich auch gereicht, hihihiiiiii
Mal wieder supertol erzählt. Hat Spass gemacht, die story zu lesen.
Danke dafür
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Gudrun
says:
Du machst aber auch Sachen, liebe Nissa. Wenn ich mal wieder, in geistiger Umnachtung, irgendwelche Gegenstände verlegt habe, oder etwas komisch gelagert, werde ich alles auf das iPhone schieben, und auf Apple, Steve Jobs
Es hat Spass gemacht, deinen Artikel zu lesen.
Liebste Grüße und einen wunderschönen Abend, die Gudrun.
[Antwort]
Nissa
says:
Hallo Minibar,
ja, der Unterhaltungsfaktor war aber auch enorm und vor allem so nachhaltig. Noch heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke.
Danke fürs Lob!
Liebe Grüße und einen schönen Abend,
Nissa
[Antwort]
Nissa
says:
Hallo Gudrun,
ach ja, es ist im Leben so vieles Schuld. Zur Not kann man auch die Müdigkeit vor’s Loch schieben, immerhin hätte ich ansonsten alles weggeräumt. Es ist doch sehr einfach einen Sündenbock zu finden
Freut mich, dass dir die Geschichte gefällt und danke fürs Lob!
Liebe Grüße und gut’s Nächtle!
Nissa
[Antwort]