Übersetzung für Dumme
Wir haben im Englischunterricht ein neues Thema: Übersetzund vom Englischen ins Deutsche. Als ich das hörte, habe ich mich ein wenig gefreut, denn ich übersetze in meiner Freizeit auch ab und zu und finde das sehr spannend. Es ist nicht übertrieben einfach, denn es gibt nicht für jeden Ausspruch eine passende Übersetzung, manche Satzstrukturen muss man völlig umwerfen, zum Beispiel bei Partizipialkonstruktionen und so weiter und so fort. Spätestens seit Guido weiß jeder, dass man es sich nicht zu leicht machen sollte, wenn man nicht ausgelacht werden will.
Es gibt aber auch die andere Seite und die habe ich just kennengelernt. Kaum ein Satz habe ich vorgetragen an dem es nicht irgendwas zu bemängeln gab. Obwohl ich selbst wohl meine schärfste Kritikerin bin, hat mich das ziemlich aus der Bahn geworfen. Es ist nämlich so, dass man zu nah an den Wörtern kleben und sich zu weit vom Text entfernen kann. Dafür gibt es jedoch keine Richtlinien, kein Nonplusultra. Man kann sich streiten, aber es liegt nunmal im Auge des Betrachters. Nix Neues erstmal.
Man kann das aber auch an die spitze führen. Zum Beispiel war im Originaltext eine Metapher und zwar der Anker, der geworfen wird. Idiome kann man normalerweise nicht einfach so übertragen, aber ich finde, bei Metaphern ist man sogar in der Pflicht, sofern keine guten Gründe dagegen sprechen. Argumentiert wurde, dass der Leser doch gar nicht versteht, was mit dem Anker gemeint sei. Also ganz ehrlich, man sollte den Leser auch nicht für dumm erklären, schließlich ging es im vorigen Satz darum, dass der Mensch zur Ruhe kommt, sein Leben eben vor Anker geht im bildlichen Sinne. Muss ich dem Autor wirklich seine Stilfiguren klauen? Und muss man den Text des Autors wirklich so ins Deutsche übertragen, dass jeder dreijährige ihn verstehen könnte? Offensichtlich, denn an anderer Stelle spricht der Autor von “genetic composition”. Ja, sicher hätte er auch einfach den Ausdruck Gene benutzen können. Hat er aber nicht und ich sehe nicht ein, warum ich den Ausdruck im Deutschen vereinfachen soll, nur damit es besser klingt. Der Autor hat damit sicherlich was bezwecken wollen, aber lieber vereinfachen, damit der dumme Leser das dann auch versteht.
Und dann ärgert mich noch was: Ich habe einen in der Klasse, ich nenne ihn mal Musterschüler. Unter den Lehrern ist er sehr angesehen, nicht zu Unrecht, denn er ist sehr clever. Nun übersetzt er aber von der Wortwahl her, als würde er eine fachliche Abhandlung halten und schweift auch hie und da recht weit vom Text ab. Aber jeder Satz den er übersetzt, wird vom Lehrer als super abgestempelt, obwohl der Originaltext in Umgangssprache geschrieben ist und den Stil sollte man doch auch versuchen zu übernehmen. Zugegeben, seine Worte klingen sehr angenehm, aber soll man etwas autorengerecht übersetzen, oder seinen eigenen literarischen Leckerbissen verzapfen?
Berufstätige Übersetzer sitzen bisweilen an einer einzigen Wortgruppe mehrere Stunden. Man kann nicht erwarten, dass eine Übersetzung im Unterricht in wenigen Minuten perfekt sein soll. So wie sie bewertet wird, geht man aber offenbar doch von diesem Ziel aus. Schade, denn eigentlich hatte mir das mal Spaß gemacht…

Marianne
says:
Da mein Englisch auch nicht perfekt ist, eher sehr mies, lasse ich mir mit einem Übersetzungsprogramm einige Worte und Sätze übersetzen.
Ich schreibe deutsch und bekomme die englische Version oder umgekhert…man, man, da bin ich manchmal am wirbeln, das stimmt dann vorne und hinten nicht, würde den Satz dan auch anders definieren, sprich umbauen.
Ist wirklich nicht einfach
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 6th, 2011 11:13:
Ja, da hast du Recht. Ich finde es immer lustig, was zuweilen bei Übersetzungsprogrammen am Ende rauskommt. Wörter haben ja nunmal meistens mehrere Bedeutungen und das Programm nimmt eben die erstbeste. Auch beim Übersetzen mit dem Wörterbuch sollte man die Einträge bis zum Ende lesen und schauen, ob die Übersetzung in den Kontext passt. Sonst wird der Absatz im Text schnell mal zum Absatz an den Schuhen
[Antwort]
Jan
says:
Liebe Nissa, auf Dauer gesehen ist dein Weg mit Übersetzungen zurecht zu kommen, wahrscheinlich der bessere. Du hast vielleicht gestern nicht allerhöchstes Lob empgangen, aber stell dir mal vor, wie es wirkt, wenn genau so “putzig” zurück übersetzt wird. Ich denke, damit kann dann keiner so recht was anfangen.
Naja, und der Lehrerliebling? Ich persönlich finde so was Mist, aber was soll’s. Ich weiß, dass du immer alles durchdenkst, ehe du den Mund aufmachst. Also lass dich nicht beirren.
Liebe Grüße aus dem Spinnstübchen, meine liebe Nissa
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 6th, 2011 11:35:
Liebe Gudrun (hihi, habs beim Lesen schon gemerkt, dass du es bist),
ja, ich weiß, dass meine Übersetzungen nicht schlecht sind. Ich habe das Gefühl, da wird das Haar in der Suppe gesucht, warum auch immer. Da zur Klausur zwei Themen zur Auswahl stehen, Übersetzung und Mediation, werde ich letzteres nehmen um Problemen aus dem Weg zu gehen. Eigentlich widerspricht das meinem Dickschädel, aber es wurde schon groß angekündigt, dass man bei einer Übersetzung schnell mal 0 Punkte kriegen kann. Das muss ich mir nicht antun, da werd ich nur zum Wutschüler
Liebe Grüßlis
[Antwort]
Gudrun
says:
Der Jan war mal wieder an meinem Rechner zu Gange, ich habe nicht aufgepasst und nun kann er mit einem Kommentar glänzen. Manno.
Liebe Nissa, ich war’s!
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 6th, 2011 11:40:
Jaja, soll ich’s ändern? Ist doch nicht schlimm.
[Antwort]
Gudrun
Antwort vom Januar 6th, 2011 13:46:
Nööö, lass es einfach. Wir haben uns doch erkannt!
[Antwort]
Emily
says:
Liebe Nissa, laß dich nicht von deinem Weg abbringen. Jeder hat seinen eigenen Weg mit etwas umzugehen. Ich sehe es wie Gudrun, ich finde es auch nicht gut, wenn Lehrer Lieblinge haben. Schon alleine deswegen, weil ich nie einer war
Viele liebe Grüße, Emily
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 6th, 2011 11:44:
Naja, Menschen die auch mal ihre eigene Meinung vertreten sind zu unbequem, fürchte ich. Als Schüler wird man dem Recht der eigenen Kreativität und Meinungsbildung irgendwie beraubt. Klar kann nicht jeder machen was er will, aber manchmal wünsche ich mir mehr Offenheit. Dann hätten wahrscheinlich auch die Schüler aus dem ersten Bildungweg mehr Lust mitzuarbeiten.
Liebe Grüße an dich,
Nissa
[Antwort]
minibar
says:
Wir hatten im Sommer mal Unterricht bei einer´, die Englisch studiert hat, aber auch richtig weit, und viel in USA und auch England ist.
Sie hat uns echt ne Menge beigebracht, was andere Kurse alle nicht brachten, nicht im entferntesten.
Trotzdem ist übersetzen eine sehr persönliche Sache, das meine ich auch.
Lass dich nur nicht durch Mr. Musterschüler ins Bockshorn jagen.
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 7th, 2011 12:31:
Das stimmt, der beste Unterricht ist, wenn man sich mit einem Muttersprachler, oder jemanden der viel unter Muttersprachlern war, unterhält. Meine Zeit in Liverpool hat mir auch richtig viel geholfen. Ich würd gern mal wieder hinfahren *schneuz*
Ach naja, ich nehme einfach das andere Thema in der Klausur, mir ist das zu heiß und ich weiß, dass ich hinterher wieder chancenlos rumdiskutieren würde, also lass ich’s.
Naja, Mr. Musterschüler kann eigentlich gar nichts dafür, er versucht auch nur alles richtig zu machen. Er wird halt anders bewertet, vielleicht auch, weil er gut aussieht, hehe.
[Antwort]
huffel
says:
Ich finde auch, man sollte sich an den Text halten, denn sonst würde doch fast alles aus dem Kontext gerissen werden, aber gut, der mag es so, der andere so…es ist leider oft lehrerabhängig…
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 7th, 2011 12:33:
Ja, genau, wenn ich ein übersetztens Buch lese, möchte ich, dass wenigsten versucht wurde, den Stil des Autors zu treffen, auch wenn das schwierig ist. Das macht einen guten Übersetzer aus.
[Antwort]