Die Seele
Es ist schon rätselhaft, wie das mit unserem Gehirn funktioniert. Oft handeln wir schneller als unser Gehirn Impulse zum Handeln aussenden kann. Zum einen betrifft das sicherlich mechanische Impulse, die so routiniert sind, das wir etwas tun, bevor uns bewusst wird, das wir es tun. Aber es sind auch andere Entscheidungen, plötzliche Eingaben und Intuitionen, die offenbar nicht rational, sondern aus dem Bauch heraus getroffen werden. Aber was ist da im Bauch drin, das scheinbar mehr Einfluss als unser logisch denkender Kopf hat?
Seele als inneres Drehbuch
Immer mehr Wissenschaftler glauben an eine Existenz der Seele, gleichbedeutend eines inneren Drehbuches. Man tut etwas, weil man weiß, dass es richtig ist und handelt dabei jedoch einfach nur nach vorgefertigten Lebenszielen. Wissenschaftler stellen sich deshalb die Frage, ob es den freien Willen überhaupt gibt. Für mich gibt es den, denn wer soll meine Lebensziele denn in meiner Seele festgehalten haben? In dem Moment wo ich reagiere, bin ich sicherlich nicht frei, aber in den vielen Momenten, in denen ich mich weiterentwickele und somit meine Seele auch (sie kann ja nichts statisches sein, mMn), ändere ich mein Drehbuch und habe somit Einfluss auf mein Leben.
Jeder Mensch handelt nach einem Denkmuster, festgelegt von Erlebnissen, Prägungen aus der Kindheit und Jugend und eigenen Veranlagungen. Ohne dieses Denkmuster wären wir nicht fähig zu bewerten und zu entscheiden, wir wären permanent verwirrt, weil wir selbst alltägliche Situationen und Erlebnisse nicht einordnen könnten. Auf der einen Seite brauchen wir dieses Muster, auf der anderen Seite sind wir darin gefangen. Jeder weiß, wie schwer es ist aus solchen Mustern auszubrechen. In einem Buch habe ich etwas Interessantes gelesen: Man soll nur mal versuchen den Hörer des Telefones mit der anderen Hand als der üblichen aufzunehmen und das über einige Tage. Selbst diese simple Veränderung bedarf viel Kraft und vor allem Bewusstsein. Denn nur wenn wir uns unserer Taten bewusst sind, können wir sie steuern.
Diese Denkmuster bestimmen zwar was wir tun, nicht aber, ob wir etwas tun. Für mich klärt das auch, ob Kriminelle etwas für ihr handeln können oder nicht. Ihre Muster mögen ihnen ihr Handeln vorgegeben, aber ob sie ihren kriminellen Impulsen folgen oder nicht, entscheiden sie bewusst. Das ist genauso, wie wenn jemand mit dem Rauchen aufhört: Der Drang zu rauchen wird lange da sein, aber ob man ihm folgt oder wiedersteht, liegt bei jedem selbst.
Die Seele und das Ich
Bedürfnisse der Seele ziehen sich durchs ganze Leben, sie sind allgegenwärtige Sehnsüchte, denen zu folgen gut tut. Bedürfnisse des Ichs sind eher kurzlebige Wünsche nach Genuss, Besitz und Erleben. Schache schreibt: “Eine echte Sehnsucht ist der Ruf der Seele. Den Wünschen der Seele zu folgen fühlt sich gut an.” Diese Wünsche sind permanent vorhanden, so lange bis wir ihnen nachkommen. Danach ist dieses Erlebnis sozusagen abgearbeitet und etwas neues zieht uns in den Bann, denn “die ständige Fortentwicklung der Persönlichkeit sei der Sinn der Seele”.
Die Seele im Kind
Psychologen wie Arno Grün und Rüdiger Schach sind sich sicher, dass eine Prägung der Seele nach dem zehnten Jahr abgeschlossen sei. Sie sagen aber auch, dass ein Neugeborenes nicht als “unbeschriebenes Blatt” auf die Welt kommt und dann von der Umwelt geprägt wird, sondern seine Anlagen von Geburt an besitzt. Ob wir uns mit uns selbst im Einklang befinden hängt danach stark davon ab, ob wir uns als Kind ausleben durften, oder ob wir uns anpassen mussten und somit unsere eigene Seele verleugnet haben. Fakt ist aber auch, dass diese “Kinderseele” nach dem zehnten Lebensjahr nicht einfach weg ist. Wir werden sie ein Leben lang in uns haben, mit all ihren Ängsten, Freuden, Hoffnungen und Träumen, deshalb sollte man sein inneres Kind bis ins Alter hinein pflegen.
Wen das Thema interessiert, dem möchte ich zwei Bücher empfehlen: Arno Grün “Der Verrat am Selbst” und Hoimar v. Ditfurth “Der Geist fiel nicht vom Himmel”. Angelehnt ist dieser Artikel an den Bericht “Der Sinn der Seele” aus der Zeitschrift PM 9/2010.

Marianne
says:
Jedes Kind besitzt Anlagen von Geburt an , kein Kind ist böse von Natur aus und als Eltern sollte man den Charakter des Kindern erkennen und positive Eigenschaften fördern, mit den weniger positiven ist das manchmal keine leichte Sache, aber wir sind Individuen und so soll es bleiben.
Das innere Kind ist etwas wunderbares, das man sich erhalten sollte.
GLG Marianne
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Nissa
says:
Hallo Marianne,
du triffst den Nagel genau auf den Kopf. Schon ein Kleinkind ist eine Persönlichkeit, welche geachtet werden muss und die die Chance haben soll, sich zu entfalten. Kinder sind nicht nur die Summe der Faktoren aus ihrer Umwelt, wie früher angenommen.
Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
Nissa
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Gudrun
says:
Liebe Nissa, unsere schnelllebige, hektische Zeit verhindert oft, dass man so leben kann, wie es die innere Stimme vorgibt. Zumindest denken wir das immer. Manchmal muss erst ein außergewöhnliches Erlebnis geschehen, die uns zwingt, mehr auf sich selbst, sein Inneres , seine Urinstinkte oder Seele, zu hören. Manchmal weiß man beizeiten, was gut und schlecht ist, für sich selber und auch für die Menschen in der Umgebung. Und trotzdem handeln wir oft gegen uns und beneiden Naturvölker, die diese Fähigkeit noch haben und ausleben.
Du hast so Recht: Die kleinen “Seelen” müssten immer im Mittelpunkt unseres Handelns stehen. Ich will jetzt nicht über Bildungspolitik, Kindergartenplätze und so reden, vielmehr über das Lächeln, welches man vielleicht einem wildfremden Kind schenkt, und den Erwachsenen eigentlich auch.
Einen schönen Sonntag wünsch ich dir
[Antwort]
Nissa
says:
Liebe Gudrun, sehr schön formuliert hast du das. Vor allem der enorme Leistungsdruck ist es auch, der uns die wichtigen Dinge vergessen lässt. Er lässt uns vergessen, dass wir Dinge tun, weil sie uns Spaß machen und nicht für gute Noten, Ansehen, oder Geld. Oft haben wir auch unterbewusst oder bewusst Angst der inneren Stimme zu folgen, weil wir denken, dass andere uns für diese unlogisch aussehenden Entscheidungen kritisieren würden. Aber glücklich wird man bestimmt nicht, wenn man seiner Seele keinen Auslauf gibt.
Und Lächeln sollten wir sowieso alle viel mehr.
Liebe Grüße und ein liebes Lächeln schick ich dir in diesem Sinne!
[Antwort]