Rainer Maria Rilke
Morgen halte ich im Deutsch Leistungskurs meinen Vortrag über Rilke. Mir macht es Spaß mich auf solche Vortrage vorzubereiten, aber den Vortrag zu halten, finde ich furchtbar. Ich rede nicht gern vor vielen Menschen, mir schnürt sich da die Luftröhre zu. Aber ich werde ihn trotzdem halten, immerhin wird diese Phobie von Vortrag zu Vortrag besser.
Vor einem halben Jahr habe ich schon eine Gedichtinterpretation zu “DerPanther” von Rilke geschrieben. Das Gedicht ist ein sogenanntes Dinggedicht, es beschreibt ein Wesen oder eine Sache ohne die eigene Wertung des lyrischen Ichs. Es ist in einer der kreativsten Schaffensphasen Rilkes entstanden und von vielen Einflüssen geprägt, zum Beispiel dem aus Frankreich kommendem Symbolismus.
Rilke lebte Zeit seines Lebens in einem beständigen Wechsel zwischen Melancholie und Euphorie. Gründe dafür kann man schon in seiner Kindheit finden, denn seiner Mutter zog ihn als Mädchen auf und zog ihm Kleider an, sein Vater jedoch steckte ihn mit 10 Jahren in eine Militärschule, wo Gehorsam und Brutalität herrschten. Solch ein Zwiespalt muss für ein Kind ungeheuer verwirrend sein, zumal in Rilkes Kindheit noch mehr solcher Gegensätze zu finden sind.
Rilkes Stimmungsschwankungen sind aber auch typisch für die damalige Zeit der Jahrhundertwende, denn man empfand auf der einen Seite eine Art Untergangsstimmung (“fin de siecle”), da man spürte, dass mit dem neuen Jahrhundert auch ein altes Bewusstsein untergehen wird. Der enorme Fortschrift in der Wissenschaft, die ein neues Weltbild schaffte (Röntgenstrahlen, Radioaktivität, Relativitätstheorie), machte den Menschen Angst. Auf der anderen Seite brachten gerade diese Entwicklungen auch gute Eindrücke hervor, so zum Beispiel eine angenehme Aufbruchstimmung.
Eines der schönsten Liebesgedichte möchte ich euch noch vorstellen. Wer sich mit Rilke ein wenig beschäftigt hat, wird es kennen. Rilke hat es für die 15 Jahre ältere Lou geschrieben, mit der er eine Liebschaft hatte. Er hat für sie bis 1900 über 100 Liebesgedichte geschrieben, aber die meisten haben Lou und Rilke gemeinschaftlich verbrannt, weil sie sehr persönlich gewesen sind. Dieses eine Gedicht durfte Rilke jedoch aufbewahren und in seinem Gedichtzyklus “Das Stunden-Buch” veröffentlichen.
Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn,
wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören,
und ohne Füße kann ich zu dir gehn,
und ohne Mund noch kann ich dich beschwören.
Brich mir die Arme ab, ich fasse dich
mit meinem Herzen wie mit meiner Hand,
halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen,
und wirfst du in mein Hirn den Brand,
so werd ich dich auf meinem Blute tragen.

Emily
says:
Das ist ein wundervolles Gedicht, liebe Nissa! Mehr kann ich dazu kaum sagen.
Hab einen schönen Sonntag & allerliebste Grüße, Emily
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 24th, 2011 09:33:
Ja, das ist es. Ich finde, man spürt in diesem Gedicht die ungeheure Liebe zu seiner Freundin. Später haben sie sich auch getrennt, weil er zu abhängig von ihr wurde.
Liebe Grüße und einen schönen Wochenstart,
Nissa
[Antwort]
katerwolf
says:
da schließe ich mich gerne an. ich muss gerade an etwas denken: eine enge freundin von mir ist vor vielen jahren nach südamerika ausgewandert. als ich sie irgendwann mal fragte, was sie vermisst, sagte sie: ” dies & das. vor allem aber die jahreszeiten und rilke.”
lieben gruß+guten start in die neue woche, katerwolf
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 24th, 2011 09:35:
Oh ja, das glaube ich, das würde ich auch vermissen. Aber Südamerika hat bestimmt auch vieles zu bieten, das sie vermissen würde, wenn sie zurückkäme. Manche Dinge werden sehr schnell lieb und teuer.
Liebe Grüße und auch dir einen guten Start,
Nissa
[Antwort]
Marianne
says:
Rilkegedichte mag ich sehr, aber nur in bestimmten Stimmungen.
Schön zu wissen, wie Herr Rilke erzogen wurde, damit hatte ich mich noch nie beschäftigt.
Herzlichst ♥ Marianne
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 24th, 2011 09:36:
Ja, man muss schon in der Stimmung sein, immer hätte ich auch keine Lust. Ich denke, nach meinem Vortrag lege ich ihn auch erstmal wieder beiseite.
Liebe Grüße und einen schönen Tag,
Nissa
[Antwort]
minibar
says:
Ich wünsche dir viel Erfolg für deinen Vortrag.
Du warst doch Schauspielerin, wieso hast du dann Fracksausen, wenn du einen Vortrag halten sollst?
Sind das solch verschiedene Welten?
Viel Glück wünsch ich dir.
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 24th, 2011 09:39:
Danke, es wird schon alles gut gehen.
Oh nein, es ist gar nicht das Gleiche. Gut, als Schauspielerin hatte ich auch eine natürliche Aufgeregtheit, aber wenn ich die Bühne betreten habe, war sie weg. Wenn ich einen Vortrag halte, kann ich mich nicht hinter einer Rolle verstecken, da muss man authentisch sein.
Danke für den Zuspruch, wird schon schiefgehen
Liebe Grüßlis,
Nissa
[Antwort]
mayarosa
says:
Liebe Nissa,
ich halte dir für morgen die Daumen. Dein Vortrag wird großartig! LG mayarosa
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 24th, 2011 09:40:
Danke dir, ich hoffe, du behältst recht
Liebste Grüße,
Nissa
[Antwort]
Jan
says:
Liebe Silke,
da ist er also wieder, der Rainer Maria Rilke. Deine Abhandlung über “Der Panther” habe ich damals gelesen und fand sie richtig gut. Es gab eine Zeit, da habe ich Rilke abgelehnt, hielt ihn für lenensverneinend. Damit hätte ich ihm aber sehr Unrecht getan. Und das weiß ich durch dich.
Liebe Grüße aus dem Spinnstübchen
(die Zeilen oben werde ich mir Merken!)
[Antwort]
Nissa
Antwort vom Januar 25th, 2011 11:29:
Ja, Rilke war nicht wirklich lebensverneinend, das zeigt auch seine Definition von Gott: “Ein jedes Ding kann der liebe Gott sein.” schreibt Rilke in seinen “Geschichten vom lieben Gott”. Seine Erzählungen sind ja leider weniger bekannt, aber die sind auch sehr schön.
Liebe Grüßchen ins Spinnstüberl und guck dem Jan lieber auf die Finger
[Antwort]
Gudrun
says:
ich war es mal wieder, hatte den Jan vergessen, der in der vorigen Woche an meinem Rechner war
[Antwort]