Lebenserhaltende Maßnahmen

Letztens habe ich einen Artikel in einer Zeitung gelesen, der mich sehr betroffen gemacht hat. Es ging dabei um eine kleine Familie, Mann, Frau, zwei Kinder. Die Frau ist ins Wachkoma gefallen und würde nicht wieder aufwachen, hieß es. Allerdings hatte sie geäußert, dass sie nicht künstlich ernährt und an Schläuchen dahinsiechen möchte, falls so etwas je eintreten würde. Da sie aber nichts schriftliches hinterlassen hatte, geschah genau das (das Heim bekommt schließlich viel Geld dafür).

Sollte man soetwas in einer schriftlichen Patientenverfügung festhalten? Sicherlich. Aber andererseits fürchte ich mich davor, denn wenn man es aufschreibt, heißt das, man zieht so einen Fall in Betracht und da ich abergläubisch bin, tue ich das lieber nicht. Ich weiß, das mag seltsam klingen und selbst für meine eigene Ratio macht das wenig Sinn. Aber innerlich habe ich das Gefühl, dass etwas, was man in Betracht zieht, eher passiert, als etwas das man abtut.

Außerdem hänge ich am Leben wie eine Muschel am feuchten Fels.  Vielleicht würde ich ja wieder aufwachen. Dabei ist die entscheidende Frage für mich, ob man im Wachkoma durchaus noch irgendwie ein Bewusstsein hat. Bekommt man mit wie die Tage, Stunden, Minuten dahinziehen? Ohne sich regen, ohne irgendetwas äußern zu können? Ich kann ja jetzt kaum still irgendwo rumsitzen, wie qualvoll müssen Wochen und Monate in einem schier leblosen Körper sein? Und dann beginnen die Gliedmaßen sich zu verkrümmen, der Körper ist Haut und Knochen, das Gesicht eingefallen und fahl. Sepsis an Körperstellen. Der Komapatientin im Artikel ist der Arm abgefault, bevor er ihr abgenommen wurde. Leichengeruch.

Vielleicht schreibe ich doch mal so eine Verfügung. Lieber in Würde sterben als endlos dahinzuvegetieren. Trotzdem ist es seltsam überhaupt darüber nachzudenken…

This entry was posted on Dienstag, 29. Juni 2010 at 13:58 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

2 Comments

  1. GudrunNo Gravatar says:

    Am Besten ist es wahrscheinlich, wenn man jemand hat, zu dem man viel Vertrauen hat und den man benennt als den Menschen, der für einen entscheidet, wenn man es selbst nicht mehr kann. Ich selbst bin gegen lebenserhaltende Maßnahmen um jeden Preis. Allerdings ist jeder Fall anders und muss auch einzeln entschieden werden.
    So lange es eine echte Hoffnung gibt, wäre ich bei meinen nächsten Angehörigen da, jeden Tag. Dann würde ich sogar umziehen und alles versuchen, dass der Mensch vor mir vielleicht wieder zugänglich wird, zu bestimmten Eindrücken, zu den Jahreszeiten, Wind, Sonne ,Regen, Gerüche, Musik…zu seinem Körper. Wenn aber die Signale immer deutlicher werden, dass der Mensch “gehen” möchte, dann würde ich das veranlassen, dass er loslassen darf und bei ihm bleiben, ihn in den Arm nehmen. Sterben alleine oder nicht sterben zu dürfen, stelle ich mir schrecklich vor.

    [Antwort]

    ... on July Juni 29th, 2010
  2. NissaNo Gravatar says:

    Ja, darüber habe ich auch nachgedacht. Aber in dem erwähnten Artikel war es zum Beispiel auch so, dass der Ehemann seine Frau nicht loslassen wollte und konnte. Er hätte die Geräte nicht abstellen lassen. Das ist ja auch nicht einfach und eigentlich möchte ich sowas auch niemandem zumuten.
    An so einer Stelle wird unsere technische und medizinische Entwicklung irgendwie zum Fluch, hab ich manchmal das Gefühl. Den physischen Körper einfach nur im Diesseits zu halten, hat doch nichts mehr mit Leben zu tun. Ein Mensch lebt durch seine Taten und nicht durch physische Anwesenheit. Aber dann kommen andere und sprechen von Ethik und Moral…
    Aber das mit dem Musik vorspielen etc. finde ich gut, man kann es zumindest eine Zeit lang versuchen.

    [Antwort]

    ... on July Juni 30th, 2010

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